Rechtliche Aspekte beim Advertiser-Fraud

Von Zeit zu Zeit kocht in der Affiliate-Szene die Diskussion über Advertiser-Fraud hoch. Gemeint sind damit vor allem Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Sales und Stornierungen. Vor allem zwischengeschalteten Affiliate-Agenturen wird dabei Missbrauch des Affiliate-Systems zum Teil zu Lasten von Publishern zum Teil zu Lasten der Kunden, also der Advertiser, vorgeworfen.

Die Basics
Betrug durch Advertiser oder dessen Agenturen ist stets eine Verletzung des Vertrages mit dem Netzwerk. Der dadurch entstehende Schaden ist dem Netzwerk zu ersetzen. Mittelbar wird – je nach Vertragsgestaltung – natürlich auch der Publisher geschädigt. Zudem können betrügerische Handlungen durch den Advertiser oder eine Agentur strafbar sein.

Den Advertiser trifft die Pflicht, getätigte Umsätze zu bestätigen. Häufig wird die Vergütung nur bei einer Bestätigung des Advertisers fällig. Bestätigt der Advertiser Sales nicht, handelt er vertragswidrig. Außerdem trifft den Advertiser die Pflicht, ordnungsgemäß über Stornos zu berichten, wenn diese die Provision mindern. Werden hier überhöhte Zahlen gemeldet, ist dies ebenfalls ein Vertragsverstoß und strafrechtlich als Betrug zu qualifizieren. Die Pflichten des Advertisers gelten stets nur im Verhältnis zum Netzwerk. Nur das Netzwerk kann entsprechende Vergütungsansprüche einklagen und von in solchen Fällen bestehenden Kündigungsrechten Gebrauch machen.

Rolle des Publishers
Die Publisher Ihrerseits sind vertraglich nicht direkt mit dem Advertiser sondern nur mittelbar über das Netzwerk betroffen. Werden – was die Ausnahme bleiben dürfte – solche Praktiken nachweisbar bekannt, hat dies auch Auswirkungen auf das Verhältnis Netzwerk zu Publisher. In diesen Fällen stehen dem Publisher gegebenenfalls weitere Vergütungsansprüche gegen das Netzwerk zu. In krassen Fällen sind aber direkte Ansprüche gegen den Publisher denkbar.

Advertiser-Fraud ist häufig strafbar
Betrügerisches Verhalten von Advertisern oder beteiligten Agenturen ist strafbar. Bisher sind allerdings keine Fälle publik geworden, in denen gerichtliche Auseinandersetzung über Fälle von Advertiser-Fraud geführt worden wären.

Wenn Agenturen beteiligt sind, haben diese in der Regel vertragliche Beziehungen nur zu dem Advertiser, so dass sich unmittelbare vertragliche Ansprüche der anderen Beteiligten gegen Agenturen nicht ergeben können. Allerdings muss sich der Advertiser betrügerische Handlungen der von ihm beauftragten Agentur zurechnen lassen.

Verhältnis Advertiser zu Affiliate-Agentur
Wenn zwischen Agentur und Advertiser nichts anderes vereinbart ist, ist eine Tätigkeit der Agentur als Publisher auf den von der Agentur selbst betreuten Partnerprogrammen nicht per se eine Verletzung des Agentur-Vertrages und berechtigt den Advertiser daher auch nicht, Vergütungen (gegenüber dem Netzwerk) einzubehalten oder den Vertrag mit der Agentur fristlos zu beenden.

Advertiser, die ausschließen wollen, dass die eigene Agentur als Publisher in dem eigenen Partnerprogramm tätig wird, sollten entsprechende vertragliche Vereinbarungen treffen. Diese sollten dann auch auf die Mitarbeiter der Agentur ausgeweitet werden.

Fazit

  • Wer als Publisher Unregelmäßigkeiten entdeckt und Verdacht schöpft, dass dort Methode dahinter steckt, sollte zunächst für eine ordentliche Dokumentation sorgen und anschließend das Netzwerk informieren. Bei zu Unrecht nicht bestätigten Abschlüssen, besteht in der Regel ein Anspruch auf die Bestätigung und damit auf Auszahlung der Provisionen. Ist eine Agentur eingeschaltet, kann es empfehlenswert sein, auch mit dem Advertiser direkt zu sprechen. Weitere Möglichkeiten werden hier diskutiert.
  • Netzwerke haben natürlich ein großen Interesse daran, dass die Sales ordnugnsgemäß abgerechnet werden und sollten Hinweisen stets nachgehen. Sie stehen in der Mittlerrolle und müssen diese auch ernst nehmen.
  • Advertiser sollten das Problem mit ihren Agenturen thematisieren und durch geeignete Vereinbarungen sicher stellen, dass jedenfalls Eigenbuchungen untersagt werden. Betrug durch die Agentur rechtfertigt fast immer eine fristlose Kündigung, wovon der Advertiser auch Gebraucht machen sollte.
  • Es versteht sich von selbst, dass Agenturen betrügerische Praktiken unterlassen müssen. Es steht nicht nur Strafbarkeit aller Beteiligten im Raum. Zivilrechtlich droht die sofortige Kündigung des Agenturvertrages und erhebliche Schadensersatzansprüche. Auch Direktansprüche von Netzwerk und Publishern sind denkbar.